Verfasst von: Patrick | 2009/04/23

AAA

Der Urlaub ist vorbei und es geht auch gleich wieder richtig los. Nachdem ich am Montag zunächst ganz profan zwei Strumen betäuben durfte hatte ich gestern an meine erste Aorta. Obwohl, ganz so profan war es dann mit den Schilddrüsen doch nicht. Der zweite Patient war so halb unerwartet schwer zu intubieren. So halb bedeutet, dass meine Oberärztin, die ihn zum Narkosegespräch gesehen hatte ein „komisches“ Gefühl hatte und empfahl ihn doch mit Maske einzuleiten um unter Spontanatmung erstmal zu kucken. Für das Gefühl war ich ihr herzlich dankbar, man hat nämlich außer der Epiglottis nichts finden können, Epiglottis anheben, außer wulstiger Schleimhaut nix zu sehen. Naja, zwei-, dreimal versucht blind was reinzukriegen, ging nicht und dann das Feld besagter Oberärztin überlassen. Die hat nach zwei, drei weiteren Versuchen eine Larynxmaske reingesteckt. Und weil wir einen richtig guten Tag hatten ging das natürlich auch nicht, also wieder raus damit. Als dann das Bronchoskop aufgebaut war hat es der nächste, herbeigepiepste Oberarzt doch blind hingekriegt, Spielverderber…
Aber kommen wir zum eigentlichen Highlight der Woche, meinem ersten elektiven Aortenaneurysma. Natürlich wird jetzt der eine oder andere sagen: „Was will er denn, das ist doch nix besonderes…“, aber für mich war es ziemlich spannend und auch ganz schön anstrengend. Angefangen hat es damit, dass wir nicht angefangen konnten weil wir keinen Intensivplatz hatten. Schlussendlich haben wir uns dann ein Bett auf der Thoraxintensiv „geliehen“ und konnten mit zwei Stunden Verspätung anfangen. Unser Patient hatte sich im Herbst vergangenen Jahres eine Totaldissektion zugelegt und damals notfallmäßig schon einen neuen Aortenbogen bekommen, jetzt war der abdominale Teil dran. Glücklicherweise war der gute Mann ansonsten gesund und richtig gut motiviert.
Wie bei einem kaputten Wasserrohr muss man auch bei Blutgefässen vorübergehend das „Wasser“ abstellen wenn man einerseits „trocken“ arbeiten will und außerdem nicht möchte, dass der „Tank“ leer läuft. Im Gegensatz zum Wasser hat man beim Blutkreislauf aber das Problem, dass dieses „Abstellen“, oder „abklemmen“/„clamping“ wie es eigentlich heißt, der dicksten Leitung deutliche Auswirkungen auf den Gesamtmechanismus hat. Widerstände und Drücke im Körper verändern sich und ein vorgeschädigtes Herz kann dann auch mal die Grätsche machen. Man ist quasi die ganze Zeit damit beschäftigt am Patienten herumzupuzzeln, am Blutdruck rumzubasteln und den Cellsaver zu starten. Schick ist dann auch, dass das Öffnen der Abklemmung auch wieder ein kritischerer Moment in einer insgesamt kritischen Situation ist, weil der Körper sich ja gerade damit abgefunden hatte dass das alles anders ist. Außerdem kommt ja plötzlich das ganze, seit Stunden vor sich hingammelnde Blut aus der unteren Körperhälfte wieder dazu. Wegen des verspäteten Beginns habe ich aber das Ende nicht miterlebt. Bei (meinem) Feierabend waren och etwa drei Stunden OP uebrig und so bedeutsam war es dann für ich auch wieder nicht, dass ich noch bis zum Abend hätte mitspielen wollen. Ich habe aber heute meinen Patienten auf der Intensiv besucht und mich schon gefreut, als er da beim Waschen an der Bettkante saß und mich wieder erkannt hat. Ein bisschen blass war er, aber das darf auch mal sein, immerhin hat er es ohne Fremdblut hinter sich gebracht und nur sein eigenes aus dem Cellsaver zurückbekommen. Mission accomplished!

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