Verfasst von: Patrick | 2009/05/19

Es wird ernst…

Es steht fest, Ende Juni habe ich meinen ersten Dienst. Ein bisschen Bammel habe ich ja schon, Quatsch, massive Panik trifft es wohl eher. Zwar komme ich mit meinem Schwedisch mittlerweile ganz gut im Anästhesie-Alltag zurecht, aber Dienst ist doch ein ganz anderer Level. Man muss permanent mit Menschen, die einen nicht kennen und keine Ahnung haben wer man ist, telefonieren. Man muss aufgebrachten Operateuren erklären, dass sie sich ihre Planung abschminken können, weil wir hier nicht bei „Wünsch-Dir-was“ sind und unter Umständen drei Säle gleichzeitig koordinieren die nicht direkt nebeneinander, sondern in verschiedenen Teilen der Klinik liegen. Aber natürlich hat das Ganze auch seine guten Seiten. Im Gegensatz zu den Häusern, in denen ich bisher gearbeitet habe, stimmt nämlich die Kohle. Bisher war es so, dass ich im Bereitschaftsdienst WENIGER verdient habe als in der Regelarbeitszeit. Die meisten, die dies hier lesen, werden das kennen, weil sie selber so arbeiten, aber für die zwei oder drei anderen eine kurze Erklärung: „Bereitschaftsdienst ist Arbeitszeit, in der anzunehmen ist, dass keine Arbeit anfällt“ HAHAHA, so stand es mal in einem für mich gültigen Tarifvertrag, sehr witzig… Im Bereitschaftsdienst mit einer Arbeitsbelastung bis inklusive 49% erhält man 90% des Stundenlohns, allerdings muss man, da man am Tag der dem Dienst folgt, ja frei hat, die Zeit die man da nicht arbeitet aus der Bereitschaftsdienstzeit „bezahlen“ und bekommt nur die übrige Zeit bezahlt. Effektiv sah das für mich bei meiner letzten Arbeitsstelle auf der Intensivstation unter der Woche so aus: Dienstbeginn 13:00h, reguläre Arbeitszeit bis 21:00h, Bereitschaftsdienst bis 7:00h und noch mal eine halbe Stunde reguläre Arbeitszeit bis 7:30h. Das ergibt zehn Stunden Bereitschaftsdienst von denen jetzt acht für „frei“ am Folgetag, also dem Tag an dem der Dienst geendet hat draufgehen, bleiben somit zwei (2!) bezahlte Stunden für eine ganze Nacht Arbeit. Luxus, oder? Besonders eindrücklich fand ich es, als wir nachts vor der Notaufnahme mal errechtet haben, dass die beiden Rettungsassistenten vom Rettungswagen der Berufsfeuerwehr mit denen ich gerade gerettet hatte, nachts mehr verdienen als der Notarzt. Natürlich gönne ich den Jungs und Mädels ihren wohlverdienten Lohn, aber die Zuschläge für „Dienst zu ungünstigen Zeiten“ wie es bei den Beamten heißt hätte ich auch gerne gehabt. Willkommen im selbst gewählten Beruf. Ab Juni sieht es dann glücklicherweise etwas anders aus. 15:00h bis 21:00h reguläre Arbeitszeit, 21:00h bis 24:00h gibt es 150% und ab Mitternacht 200%, wahlweise als Freizeit oder als Geld, klingt irgendwie besser. Darüber hinaus gibt es keine 24h-Dienste mehr, ein Umstand der für mich einem Lottogewinn gleichkommt. Rund um die Uhr bei der Arbeit zu sein ist Folter, nichts anderes…

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