Verfasst von: Patrick | 2009/06/08

In den Schlaf quatschen…

Eine Sache die in Schweden völlig anders läuft als in Deutschland ist das Narkosegespräch. Früher hatte ich immer das Gefühl, dass es in diesem „Aufklärungsgespräch“ nur um die rechtliche Absicherung des Krankehauses geht. Man leiert seinen Spruch runter, erzählt die ganzen schrecklichen Dinge die passeren können und hofft, dass der Patient dann trotzdem unterschreibt. Oft geschieht das unter einem unheimlichen Zeitdruck, weil (zumindest in den Krankenhäusern die ich kennenlernen durfte) in der Regel zu wenige Ärzte für diesen Job abgestellt werden. Mein persönlicher Rekord liegt bei 32 Aufklärungen an einem Tag. Das wiederum führt dazu, dass man im Grunde genommen gar keine Zeit hat sich vernünftig mit dem Patienten zu beschäftigen. Der eigentliche Sinn des Gesprächs, den Patienten über den Ablauf seiner Operation zu informieren und die Narkose entsprechend seinen Bedürfnissen zu planen, scheint irgendwie in den Hintergrund zu geraten. Hier ist es eher umgekehrt. Das Sammeln von Informationen steht im Vordergrund und der Patient bekommt ausführlich erläutert was auf Ihn zu kommt. Die rechtliche Absicherung scheint irgendwie sekundär zu sein und Risiken werden völlig ignoriert. Als ich in meinen ersten Wochen mal gefragt habe, ob denn Narkoserisiken überhaupt erwähnt werden, wurde mir erklärt, dass dies eigentlich nur auf direkte Nachfrage geschehen würde. Im Zusammenhang mit Epiduralkathetern bei Schwangeren hiess es sogar sinngemäss mal „Da kann man doch nicht über Risiko sprechen, da bekommen die ja Angst…“. So hat jedes System seine Eigenheiten die im jeweils anderen Land undenkbar wären. Für mich persönlich besteht der Vorteil in Schweden darin, dass mehr Ärzte für die Gespräche zu Verfügung stehen und nicht einer alleine die Anästhesieambulanz schmeissen muss. Wenn man 20 bis 30 Patienten aufgeklärt  und keine Ahnung mehr hat was man vor fünf Minuten erzählt hat zweifelt man schon an der Sinnhaftigkeit dieser Verfahrensweise, das ist jetzt allemal besser.

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Responses

  1. Oh man, das kann ich gut nachvollziehen. 20 bis 30 Patienten… ó_Ò


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