Verfasst von: Patrick | 2009/06/25

Geschafft!

In den vergangenen Tagen habe ich massiv daran gezweifelt, aber ich habe meinen ersten Dienst in Schweden tatsächlich überlebt. Acht Monate habe ich jetzt dienstlos gearbeitet, ich bin mir schon wie ein Finanzbeamter vorgekommen, andererseits war es herrlich jedes Wochenende frei zu haben, ich hatte schon völlig vergessen wie das ist.

Unter der Woche beginnt mein Dienst um 15:00h, in der ersten Stunde gibt es nicht viel zu tun, meist macht man eine kurze Runde durch alle OP-Abteilungen um zu sehen, was eventuell in den Dienst laufen könnte. Danach findet man in der Regel heraus ob die Kaffeemaschine noch an der gleichen Stelle steht. Um 16:00 treffen sich der Anästhesie-Vordergrund (also ich), der Anästhesie-Hintergrund und die operativen Dienste zum „prioriterings-möte“ um festzulegen wer wann was operieren darf. Die eigentliche Idee dabei ist, dass die Kollegen Chirurgen sich untereinander einigen ohne den Anästhesisten (also mich) in ein lustiges „Stille-Post“-Spielchen einzubauen. So wie es scheint hat das genau zwei Wochen geklappt und dann sind die meisten Operateure nicht mehr gekommen. Jetzt machen wir untereinander aus wer wann dran kommt, vielleicht sogar besser für die Patienten. Mein erster Dienst fing sehr geruhsam mit einem Epiduralkatheter im Kreißsaal und zwei OPs die gemütlich parallel laufen konnten an, eine Punktion bei einer infizierten Hüftprothese und eine Dünndarmresektion. Als die beiden Säle in Gang gekommen waren zeichnete sich der Rest der Nacht in Form eines landenden Hubschraubers ab, die Neurochirurgen hatten sich eine Gehirnblutung aus einem etwas weiter nördlich gelegenen Krankenhaus einfliegen lassen. Willkommen im selbstgewählten Beruf! Zunächst durfte ich aber noch einen Geriatrie-Patienten in die Radiologie begleiten, der sich dort im Propofolrausch ein blutendes Beckengefäß coilen lassen wollte nachdem der Kniesaal fertig geworden war. Da jetzt der Patient mit der Hirnblutung OP-bereit war, er hatte noch eine Drucksonde auf der Intensivstation bekommen, die Darmgeschichte aber nicht fertig war, durfte ich, zur großen Freude aller beteiligten in meinem ersten Dienst die Bereitschaft ins Haus holen, juhuu…

Denn Rest der Nacht habe ich im Neurochirurgiesaal verbracht ohne wirklich mitzukriegen was auf der anderen Seite des grünen Tuches passiert ist. Nicht dass es mich nicht interessieren würde, aber bei Kopf-OPs ist es, zumindest für mich, schwer zu verfolgen was gerade passiert. Die Operateure nuscheln sich gegenseitig was zu, das OP-Feld ist maximal so groß wie ein Fünf-Euro-Schein und außerdem weit weg. Da hilft es auch wenig wenn man das Ganze auf einem 50 Zoll LCD-Schirm mitverfolgen kann, alles ist blutig und wirkt irgendwie matschig… meine Hochachtung vor allen die das gerne machen.

Eine Sache ist exakt genauso wie vor fast einem Jahr in Deutschland, das Gefühl wenn man morgens die Klinik verlässt, unbezahlbar. Was es hier versüßt, ist der Umstand, dass ich zusätzlich zu meinem freien Tag nach dem Dienst noch zehn Stunden zusätzlich als Freizeitguthaben „erwirtschaftet habe“. Gute Nacht.

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