Verfasst von: Patrick | 2009/07/12

25+6

sectioHätte ich mal meine Klappe nicht so weit aufgerissen was das Wunder des Lebens betrifft. In meinem gestrigen Dienst hatte ich meinen ersten „katastrofsnitt“, also meine erste Notsectio in Schweden. Wir waren gerade dabei eine neurochirurgische OP zu beginnen, als so ziemlich jeder Piepser im Raum losging. Von dem Saal aus in dem wir uns befanden waren es glücklicherweise nur etwa 50 Meter bis zum Not-Sectio-Saal, so dass wir noch vor dem Entbindungsteam und der werdenden Mutter da waren. Ich hatte bisher zwei Not-Sectios und im Grunde läuft es immer gleich ab: präoxygenieren wenn möglich, Medikamente spritzen, Tubus, Schnitt…

Als die Hebammen mit der Patientin in den Saal kamen blieb Zeit für zwei Fragen: Allergien? Schon mal eine Narkose gehabt?

Wir waren zwei Anästhesisten und zwei Anästhesiepflegerinnen (ich krieg hier Mecker wenn ich „Schwester“ sage) und das war gut so, weil man in dieser Situation froh über jede Hand ist. Es ging sehr schnell und ich habe erst eine ganze Weile nach dem zweiten Kind kapiert, dass es Zwillinge waren, weil ich das erste Kind gar nicht mitbekommen hatte. Die Mutter hatte wenige Stunden in Luleå, 250km nördlich von hier in der 26 Woche Wehen bekommen. In ihrem Heimatkrankenhaus hatte man sich entschlossen die Patientin mit dem Ambulanzflugzeug zu verlegen, da die Klinik nicht für so kleine Kinder ausgelegt ist. Bei uns haben sich die Gynäkologen dann eigentlich sofort zur Sectio entschieden, weil es keine Chance gab die Geburt aufzuhalten. Wie gesagt, ich habe ja nur die Entbindung des zweiten Kindes mitbekommen, aber das war schon erschreckend genug, leblos und eben so verflucht klein. Es war aber beeindruckend was für eine Maschinerie in so kurzer Zeit in Gang kommen kann. Jedes Kind wurden von einem eigenen Team der Kinder-Intensiv in Empfang genommen und betreut und nach etwa 20min im Inkubator dorthin verlegt.

Das Mädchen wog 730g, der Junge 750g. Beide werden momentan beatmet aber es geht ihnen laut den Pädiatern relativ gut…

Also so was brauch’ ich nicht jeden Tag…

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Responses

  1. Hallo, mich haben deine Worte hier sehr bewegt. Ich arbeite im Rettungsdienst und habe leider auch das öfteren mit kranken und schwerkranken Kindern zu tun. Mir gehts es dabei ähnlich ich stoße immer wieder an meine Grenzen wenn ich die Schicksale von den kleinen Würmchen oder den schon Größeren am Rande erfahre. dein Beitrag hat mich an meine Kinder- REA vor drei Wochen erinnert.
    Ein 10-jähriger Junge mit einem inoperaplen Hirntumor. Die Eltern waren sehr gefasst, sie wussten, dass dieser Moment irgentwann mal kommen wird und ihren Sohn gehen lassen müssen. Was müssen Sie gemeinsam schon alles durchgemacht haben?
    Trotzdem man versucht alles, verdrängt den Gedanken, dass man eigentlich nichts mehr tun kann… und muss am Ende doch erfolglos aufgeben.

    Ich stimme dir voll zu, sowas braucht man nicht, aber es gehört halt zu unserem Job dazu. Ich habe großen Respekt vor den Pädiatern, die diese Schicksale häufiger erleben als wir.

    PS: Ich lese schon von Anfang an gespannt mit:-) Aber eins interessiert mich von Beginn an, konntest du Schwedisch schon oder hast du es jetzt erst lernen müssen? Ich stelle mir das ziemlich schwer vor… ? Medizin ist eine internationale Sprache, habe auch schon im europäischen Ausland famuliert und dort wenn man paar kleine, sprachliche Details beachtet kaum Probleme gehabt, aber Schwedisch? Respekt

    Liebe Grüße Silvia

  2. Hej!
    Ausser “Hallo, Tschüss, Milch” und vielleicht noch zwei, drei Worten mehr konnte ich nichts. Die Klinik hat mir einen berufsbegleitenden Sprachkurs bezahlt und jetzt klappt es eigentlich ganz gut, bisschen holprig dann und wann (vor allen gegen Dienstende am frühen Morgen) aber “det ordnar sig”… 😉


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