Verfasst von: Patrick | 2009/08/27

Ausbildung?

Ich habe mich in den vergangenen Tagen durch das eine oder andere Ärzteblog gelesen und ich frage mich wie ich es vier Jahre so ausgehalten habe. Ich habe keine Ahnung wie repräsentativ ein Blog im Internet sein kann, aber es ist einfach nur erschreckend, dass sich nach allen Streiks und Protesten immer noch Krankenhäuser gibt, die ihre Ärzte nach Strich und Faden versch… . Alle müssen klein anfangen, keiner kommt von der Uni und ist ein fertiger Facharzt. Wenn man so liest wie mancher Chef seine jüngsten Assistenten behandelt kann einem nur schlecht werden. Es entsteht der Eindruck, dass Ausbildung eigentlich überhaupt keine Bedeutung hat und es nur darum geht irgendwie das Tagesgeschäft über die Runden zu kriegen. Persönlich habe ich das nicht so übel erlebt, aber in Ansätzen zieht sich das wahrscheinlich durch jede Klinik. Mir ist in Vorstellungsgesprächen beispielsweise immer wesentlich mehr zugesagt worden als dann im Nachhinein passiert ist. So wurde mir mal ein Mentorensystem versprochen von dem ich aber nie etwas gesehen habe. Auch habe ich festgestellt, dass Chefärzte sehr kreativ darin sind sich vorzustellen wie toll es wäre einen Ausbildungsplan zu haben aber jeden Morgen am OP-Plan scheitern, weil sie ihre Säle nicht besetzt kriegen. Was habe ich davon wenn ich 600 Bäuche betäubt habe, aber meine Kindernarkosen nicht zusammen bekomme. Bei anderen Jungärzten liest sich das deutlich dramatischer. Es kann doch nicht sein, dass man permanent von der Panik getrieben wird die täglich anfallende Arbeit nicht bewältigen zu können, dass man sich von Dienst zu Dienst hangelt, ohne jemals die Chance auf ein normales Sozialleben zu haben. Wieso ist es in manchen Abteilungen völlig normal das man erst zwei Stunden nach Dienstschluss geht? Ich erinnere mich an einen Chef der Gefäßchirugie der des Nächtens im OP offen gesagt hat, dass ihm das Familienleben seiner Assistenten völlig egal ist. Wer zu Geier arbeitet für so jemanden bzw. unter solchen Bedingungen? Viele Menschen, immer noch viel zu viele wahrscheinlich. Es ist keineswegs meine Absicht diese Ärzte, die sich „freiwillig“ ausbeuten lassen, als Idioten abzustempeln, ich glaube viel eher, dass die Erwartungen die an eine Ausbildungsklinik gestellt werden mittlerweile erschreckend niedrig sind. Man geht von vornherein davon aus, dass man sich um alles selbst kümmern muss. Anzunehmen, es sei die Pflicht eines Arbeitgebers dafür zu sorgen, dass seine Ausbildungsassistenten diese Bezeichnung zu Recht tragen ist aber keineswegs zuviel verlangt. Ärzte in Weiterbildung sind billiger als Fachärzte weil sie noch nicht soviel können und wissen, sie sind aber auch billiger, so sehe ich das, weil sie einen Teil dessen was sie verdienen in Naturalien, also in Form von Ausbildung bekommen. Natürlich gehört die alltägliche Arbeit dazu, aber es ist pure Verantwortungslosigkeit nicht dafür zu sorgen, dass eine strukturierte Ausbildung erfolgt. Dazu gehört eben auch den Arsch in der Hose zu haben zur Verwaltung zu gehen und zu sagen: “Ich brauche mehr Personal um vernüftig ausbilden zu können, krieg ich das nicht streiche ich Betten/Säle/Untersuchungen wasauchimmer…“ DAS nennt man Verantwortung, es reicht eben nicht eine Habil zu schreiben und schon ist man „Worlds best Chefarzt“…

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