Verfasst von: Patrick | 2009/09/21

Roboretter

Ich bin alles andere als technikfeindlich. Ganz im Gegenteil, wie wahrscheinlich die meisten Menschen (Männer?) in meinem Alter habe ich eine deutliche Affinität zu allen elektronischen Helferchen, sinnvoll oder nicht. Dennoch war ich sehr skeptisch als ich das erste Mal etwas von Reanimationsapparaten gelesen habe. Irgendwann Ende der 90er Jahre las ich einen Artikel in dem der „Thumper“ erwähnt wurde, der in kanadischen Rettungswagen angewendet wurde um dem Personal einen sicheren Transport, also sitzend und angeschnallt, unter Reanimation zu ermöglichen. Ich habe angezweifelt, dass solche Gerätschaften wirklich einen sinnvollen Effekt haben können und nur Geschäftemacherei dahinter vermutet. Darüber hinaus war ich mir sicher, dass sich so etwas niemals durchsetzen würde. In den vergangenen Jahren habe ich immer mal wieder was ueber „Cardiac Life Support Devices“ gelesen und während meines Zwei-Tage-Praktikums im Rettungsdienst hat man mir erzählt dass das Gerät vorhanden ist, ich habe es aber nie live in Aktion gesehen. Das hat sich jetzt geändert. In meinem letzten Dienst wurde ich gegen sechs Uhr morgens von der Notaufnahme angepiepst, ein Rettungswagen sei mit einem Herzstillstand unter Reanimation auf dem Weg in die Klinik. Der Mann war um kurz nach fünf zu Hause kollabiert, die Ehefrau hatte zusammen mit einem herbeigerufenen Nachbarn zügig mit der CPR begonnen. Nach Eintreffen hatten die RAs die Kompressionen dem Kollegen „AutoPulse“ überlassen, um sich anderen Dingen wie Zugang (intraossär, sehr schick), Defibrillation und Medikamentengabe widmen zu können. Beim Erreichen der Notaufnahme hatte der Patient unter Reanimation durch die Maschine einen gut fühlbaren  Radialispuls, eine Sauerstoffsättigung von 87%, keinerlei Zyanose und, was mich am meisten beeindruckt hat, warme Extremitäten. Das Prinzip des AutoPulse ist eigentlich simpel. Der Patient liegt auf einem flachen Kasten aus dem rechts und links ein Band herauskommt. Diese Bänder werden über der Brust zusammengeschnallt und der Kasten zieht dann so an den Bändern, dass der gesamte Brustkorb dabei komprimiert wird. Ich habe schon viel reanimiert aber so was habe ich ehrlich noch nicht gesehen. Wie gesagt, ich hatte meine Zweifel daran, dass so etwas funktionieren würde und ich gebe ehrlich zu, dass ich mich getäuscht habe. Ich denke dieses Ding ist eine echte Hilfe, schafft freie Hände und arbeitet effizienter als ein Mensch. Bedauerlicherweise ist diese Reanimation aber trotzdem nicht gut ausgegangen. Eines kann auch dieser Apparat nicht, ein richtig kaputtes Herz wieder heile machen…

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Responses

  1. Auch ich habe die Dinger schon im Einsatz gesehen, nur leider brauchen die relativ viel Saft und versagen dann schon mal im ungünstigsten Moment ihren Dienst – oder / und die Ersatzbatterie ist entladen, bzw. noch im RTW usw. Ach scheint die Effektivität entscheident vom geschulten Anwender abzuhängen.

    • Das Stromproblem wird hier so gelöst, dass immer mind. drei Ersatzakkus vorhanden sind und die Akkupflege peinlichst genau betrieben und dokumentiert wird. Das von Dir angesprochene Effektivitätsproblem duerfte bei der manuellen HDM nicht anders, bzw. eher noch grösser sein. Ich sehe den grössten Vorteil darin, dass man mit dem Autopulse weniger und kuerzere “druckfreie” Intervalle hat.

  2. […] autopulse schockraum – feine Sache, siehe Artikel […]


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