Verfasst von: Patrick | 2009/10/27

Illusion 3G…

In den fünf Jahren die ich für einen großen deutschen Rettungsdienstanbieter als studentische Hilfskraft gearbeitet habe hatten wir jedes Jahr eine Fortbildungswoche. Jeweils eine Gruppe Mitarbeiter war für eine Woche zur Weiterbildung eingeteilt. Das bedeutete, dass für mehrere Wochen im Jahr ein Teil der Mitarbeiter ausfiel. Zum einen wurde ein Teil ganzjährig als Ausbilder oder Organisator benötigt und zum anderen hatte eben jeweils ein Teil für eine ganze Woche Ausbildung. Bei über 300 Mitarbeitern war das ein ziemlicher Aufwand, der sich aber mehr als gelohnt hat. Am lehrreichsten waren für mich die Team-Übungen jeweils in einem Jahr ACLS, also Advanced Cardiac Life Support, sprich Reanimation und im Folgejahr dann Trauma-Management. Dieses Üben von Algorithmen hat dazu geführt, dass die Qualität unserer Reanimationen deutlich zunahm, die Abläufe waren flüssiger und es gab viel weniger unnötige Pausen. Ich glaube der Wert eines solchen Trainings kann gar nicht genug unterstrichen werden. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass meine Klinik über ein eigenes Simulationszentrum verfügt in dem zahlreiche Möglichkeiten zur Übung bestehen. Vergangene Woche hatte ich eine zweitägige Fortbildung zum Thema „Der schwierige Atemweg“ die in diesem Simulationszentrum stattfand. Für die praktischen Teile waren drei Stationen vorgesehen: Bronchoskopie-Simulator, fiberoptischen Wachintubation und „can’t intubate, can’t ventilate“- Team-Übung an der Simulationspuppe. Der Bronchoskopie-Simulator ist ein Computer in dem man quasi mit einem Flugsimulator spielt, nur dass man statt einem Joystick ein Bronchoskop in der Hand hält. Das führt man einem Puppen-Gesicht über die Nase ein und sieht dann auf einem Monitor die Simulation. Verschiedene Szenarien ermöglichen jede Menge Training. Schick ist die Taste „external view“ mit der man sich per Frontalansicht anzeigen lassen kann wo in der verfluchten Lunge man gerade ist, wäre beim Patienten sicherlich sehr praktisch. An der Station „Fiberoptische Wachintubation“ konnten wir mehrmals die Abläufe und Vorbereitungen bei einem erwarteten schwierigen Atemweg üben so wie sie in meiner Abteilung durchgeführt werden. Der spannendste Teil war aber das Team-Training an der Puppe. Jeweils drei Teilnehmer waren als Team eingeteilt und bekamen ein Szenario gestellt dass den Bach runtergehen sollte. Der Simulationsraum ist wie ein herkömmlicher Schockraum ausgestattet. In der Mitte auf einer Trage liegt SimMan 3G der vom Leitstand im Nebenraum (hinter den berühmten FBI-Spiegelscheiben) aus gesteuert wird. Der Kerl kann alles, leben, sterben, sprechen, kotzen, bluten, röcheln und man kann alles mit ihm machen, intubieren, Blutgefässe punktieren, Pulse tasten (oder eben nicht), Thoraxdrain legen, defibrillieren usw. Jedes Team war dreimal dran, damit jeder einmal Arzt sein konnte. Das Szenario war natürlich darauf ausgelegt, dass man den gesamten Algorithmus durchspielen durfte bis hin zur Koniotomie und ich muss sagen, dass es großen Spaß gemacht hat auch wenn mein „Patient“ gestorben ist, obwohl ich unter den geforderten sechs Minuten geblieben bin, das Leben ist eben doch kein Ponyhof…

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