Verfasst von: Patrick | 2010/03/03

why we fight

Josefines Blog hat mich daran erinnert wieso ich den ganzen Kram eigentlich mache… ich weiss nicht ob alle die Entstehung ihres Berufswunsches an einem Ereignis festmachen können, mir geht es komischerweise so und es war lustig bei Josefine zu lesen, dass es bei ihr ähnlich war (wenn auch bedeutend früher).

Wie schon mal erwähnt habe ich meinen Zivildienst im Rettungsdienst verbracht. Das hat mir soviel Spass gemacht, dass ich meinen ursprünglichen Plan Architektur zu studieren damals glücklicherweise in die Tonne gekloppt habe. Ich war Zivi auf einer kleinen Landwache mit drei Fahrzeugen, ein RTW und zwei KTW, darüber hinaus war im Ort noch ein „selbstfahrender“ Notarzt (typisch bayerisches Phänomen) stationiert. Auch wenn es furchtbar schmalzig nach Ärzte-Kitsch-Roman klingt, ist es trotzdem so, dass ich in einem Nachtdienst im Frühsommer 1994 ein Erlebnis hatte das mein Leben verändern sollte. Irgendwann am Abend wurden wir mit dem Stichwort „Kind im Wasser“ alarmiert und zu einer Stelle am Fluss etwa zwei Kilometer entfernt von unserer Wache entfernt geschickt. Bei unserem Eintreffen, hatte der Notarzt, der direkt um die Ecke wohnte und noch schneller da war als wir, bereits begonnen einen sechsjährigen Jungen zu reanimieren. Was war passiert? Mehrere Kinder hatten am Fluss gespielt und Steine auf eine schwimmende Coladose geworfen. Irgendwie war unser Patient ins Wasser gefallen und dann erstmal untergegangen. Ein zu Hilfe geholter Erwachsener hatte dann nach einiger Zeit, wie lange genau das gedauert hatte war nicht rauszufinden, den leblosen Jungen aus dem Wasser gezogen. Wie erwähnt stand der Notarzt in unmittelbarer Nähe und der Junge war etwa drei Minuten nach Alarmierung intubiert… von all den vielen, vielen Reanimationen die ich seit 1993, als ich meinen Zivildienst antrat, erlebt habe, war diese eine der besten überhaupt. Ich habe es selten erlebt, dass soviel so gut geklappt und so reibungslos abgelaufen ist wie bei diesem Einsatz. Das Herz hat ziemlich schnell wieder eingesetzt und kaum waren wir im Rettungswagen war der Junge schon wieder so wach, dass er sediert werden musste. Die anschließende Fahrt zur 20km entfernten Kinderintensiv war, genau wie der Verlauf in der Klinik problemlos. Etwa einen Monat später setzten die Eltern eine Anzeige in die Zeitung in der sie sich bei allen Beteiligten bedankten und mitteilten, dass ihr Kind wieder Fahrrad fährt. Das war ein verdammt gutes Gefühl! Damals hat sich bei mir der Wunsch breitgemacht das den Rest meines Lebens zu machen, also nicht ertrunkene Kinder zu reanimieren, aber das große Ganze als solches… irgendwie hat das mit dem Studium dann trotz miserablem Abitur, tatsächlich geklappt und hier sitze ich nun und erinnere mich an einen kleinen Jungen, so alt wie meine zweite Tochter, der dafür gesorgt hat, dass ich heute keine Häuser malen muss…

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Responses

  1. Architekt??? Ohje 😉 Ich kann mich leider garnicht erinnern, wann ich mich dazu entscheiden hatte, Medizin zu studieren, oder ob es einen Grund, ein Erlebnis gab. Ich weiss nur dass es auch eher spät war.

  2. isch hab gänsehaut… 🙂

  3. wie biste mit “mieserablem” abitur zum studium gelangt? brauch aufbauende worte. heute isses ja aussichtslos wie nie zuvor, wenn man net grad 1,3 hat 😦

  4. Zivildienst plus ein Wartesemester, Medizinertest ganz ok, richtige Ortswahl, “ja” bei “Zulassungsbeschränkung Vorklinik?” (gibts das eigentlich noch?) und dann hatte ich einfach ziemlich viel Glück denke ich… aber das ist ja auch schon ewig her…

  5. das mit der zulassungsbeschränkung gibts net mehr soweit ich weiß. ein pj’ler mit demselben schnitt wie ich (2,3) is auch so reingekommen aber hat gemeint, dass es das jetzt net mehr gibt

  6. 2,3? Streber! Da war ich weit weg von…

  7. hehe. das hilft mir heut aber leider trotzdem net weiter. was war denn dein schnitt?

  8. […] der medizinische Teamsport schlechthin. Ich habe als Rettungssanitäter und als Notarzt gearbeitet und beides geliebt auch wenn es manchmal hart war. Man ist meist zu viert (also mit Akademiker) und die Hierarchie enorm flach, eigentlich nicht […]


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