Verfasst von: Patrick | 2010/05/09

So muss es sein…

Das war eine richtig gute Woche. Zwei Whipple und eine Zystektomie. Das klingt jetzt so als ob ich mich über Krebs freuen würde, aber ganz so ist es ja nicht. Das sind eben große OPs bei der man ziemlich viel auffährt, entsprechend auch gut zu tun hat und zeigen kann, dass man mehr drauf hat als nur Propofol zu spritzen und Blutdruck aufzuschreiben. Ein Whipple ist große Bauchchirurgie mit einer OP-Dauer von ungefähr sechs Stunden (zumindest kenne ich das so, kann sein daß das woanders schneller geht), die Zystektomie dauert noch länger. Es kann viel schief gehen, es kann mächtig bluten, man muss ziemlich auf den Flüssigkeitshaushalt achten, die Operateure nöhlen ständig rum der Patient sei nicht relaxiert (vorzugsweise wenn irgendwas nicht klappt) und man hat ein paar Schläuche und Kabel mehr als sonst. Will jemand wissen wie das aussieht? Nicht? Auch egal, also…

Vor der eigentlichen Narkose bekommt der Patient einen thorakalen Epiduralkatheter, der sowohl zu intra- als auch zur postoperativen Schmerzbehandlung verwendet wird. Manchmal ist es etwas schwierig ängstliche Patienten von den Vorteilen des EDK (oder PDK) zu überzeugen. Fast alle sehen aber ein, dass das Risiko im Verhältniss zum Nutzen verschwindend gering ist. In der Regel bekommen unsere Patienten dann im Anschluss an die OP eine PCEDA-Pumpe an ihren Katheter angeschlossen. PCEDA steht für „patient controlled epidural analgesia“, d.h. der Patient kann in gewissem Umfang seine Schmerzmitteldosierung selbst steuern. Die Pumpe liefert eine festgelegte Menge pro Stunde, hat der Patient zusätzlichen Bedarf, kann er auf einen Knopf drücken und bekommt eine zusätzliche  Dosis. Eine eventuelle Überdosierung wird durch die Pumpe verhindert. Ich habe bisher nur gute Erfahrung mit diesem Verfahren gemacht und durch die Bank zufriedene Patienten erlebt. Ist dieser Katheter gelegt und getestet beginnt die eigentliche Narkose, die meist intravenös eingeleitet und dann mit Gas fortgeführt wird. Der Vorteil eines funktionierenden Epiduralkatheters ist, dass man diesen auch schon intraoperativ aktivieren kann und somit nach der Intubation keine weiteren Opiate geben muss. Bei grossen Operationen wie dieser hier, macht es Sinn ein erweitertes Monitoring zu haben. Hierzu legt man in der Regel einen arteriellen Zugang um den Blutdruck kontinuierlich messen zu können. Ausserdem erleichtert „die Arterie“ die Blutabnahme um intraoperativ die Blutgase zu bestimmen (hilfreich zur Steuerung der Beatmung) und den bisherigen Blutverlust besser einschätzen zu können. Ich bin äusserst sparsam mit der Anlage eines zentralen Venenkatheters, weil ich ihn intraoperativ seltenst brauche und die Aktion zeitraubend und teuer ist, manchmal aber braucht der Patient postoperativ einen ZVK, weil er, wie zum Beispiel bei einem Whipple lange nichts essen darf und künstlich ernährt werden muss und periphere Venen das nicht oder zumindest nicht lange aushalten. Bei anderen OPs, zum Beispiel bei einer Leberresektion, braucht man den ZVK um den zentralen Venendruck zu messen. Muss man Katecholamine geben, ist es meistens auch besser dies zentral zu tun,  geht aber auch mit peripheren Venen eine Weile gut. Zum erweiterten Monitoring bei grossen Baucheingriffen gehört bei uns auch noch ein Ösophagusdoppler um den Volumenstatus besser beurteilen zu können. Der Aufwand ist also deutlich grösser als bei kleineren OPs aber genau das macht eben viel mehr Spass als den ganzen Tag in der Anästhesieambulanz rumzusitzen und Patienten aufzuklären, auch wichtig, aber langweilig…

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Responses

  1. Anästhesieambulanz… morgen wieder 😦


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