Verfasst von: Patrick | 2010/09/06

just do it

Wenn alles gut geht bin ich in ein paar Wochen Facharzt, das Komische ist, dass ich nicht den Eindruck habe wesentlich mehr zu können als vor einem oder zwei Jahren. Ich glaube der eigentliche Unterschied ist, dass man sich einfach mehr (zu)traut. Vorgestern im Samstag-Tagdienst hatte ich zum Beispiel eine vom Freitag übriggebliebene „offene Galle“, d.h. eine konventionelle Cholezystektomie . Das bedeutet, dass man ganz herkömmlich den Bauch auf macht, die Gallenblase rausschneidet und dann wieder zunäht. Heutzutage wird meist die schonendere Version der Gallenblasen-OP gewählt, bei der man laparoskopisch arbeitet und über kleine Schnitte Werkzeuge und eine Kamera in den Bauchraum einführt. Die konventionelle Methode wird nur bei zu erwartenden Problemen wie beispielsweise Malignität oder Verwachsungen auf Grund früherer Operationen angewendet. Ein grosser Nachteil der offenen OP ist, dass es hinterher  wehtut, also so richtig und die Patienten ziemlich viel Opiat einfordern. Eine Möglichkeit dem vorzubeugen ist eine Intercostalblockade bei der man über mehere Niveaus Intercostalnerven betäubt und so den postoperativen Schmerz der ersten Stunden wegnimmt. Das ist keine Hexerei und nicht wirklich kompliziert aber da ich irgendwie Pech hatte und offene Gallenblasen OPs wie gesagt seltener sind hatte ich das, obwohl ich jetzt schon ziemlich lange in der Allgemeinchirurgie bin, erst einmal huschusch gesehen und noch nie selbst gemacht. Mein Hintergrund war an diesem Tag einer unserer eingefleichten Intensivmediziner, also keine grosse Hilfe was Lokalanästhesie bedeutet. Da ich keine Lust hatte der knapp 90-jährigen Patientin postoperativ Morphin bis zum Abwinken zu verpassen habe ich es noch einmal nachgelesen und dann einfach gemacht. Ich denke noch vor einem Jahr hätte ich da erheblich mehr Skrupel gehabt und es wahrscheinlich gelassen, mit dem Ergebnis die Patientin die ganze Nacht mit hohen Dosen Opiat im Aufwachraum zu haben oder aber einen PDK zu legen der wiederum wesentlich teurer und aufwändiger ist und im Grunde unnötig. In diesem Fall konnten wir nach zwei Stunden eine quietschfidele schmerzfreie Oma auf Normalstation verlegen. Ich schreibe das nicht um zu zeigen was für ein toller Narkosehecht ich bin, dafür ist eine simple Intercostalblockade nun wirklich nicht das geeignete Mittel. Dieses Beispiel hat mir einfach gezeigt dass das Selbstvertrauen auch mal was zu machen was man nicht bis zum Erbrechen unter Aufsicht geübt hat irgendwie klammheimlich durch die Hintertür reingekommen ist… ein gutes Gefühl…
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Responses

  1. Glückwunsch, das klingt doch sehr gut!

  2. Da hätte ich vor einem Jahr gerne einen so fürsorglichen Anästhesisten gehabt, nach meiner offenen Gallenop bekam ich ab und zu mal Metamizol….es ist nicht schön wach zu werden, irre (und ich meine richtig fiese) Schmerzen zu haben und du kannst dich irgendwie noch nicht bemerkbar machen, weil du noch nichts sortiert bekommst…..find ich gut das du das deinen Patienten ersparst!

  3. 1. auch glückwunsch von mir
    2. danke für das wort „narkosehecht“. you made my day 🙂


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