Verfasst von: Patrick | 2010/09/20

Konserven-Schlacht

Diese Woche empfehlen wir: Bauchaortenaneurysma, frisch rupturiert mit einem Assortiment aus Erythrozytenkonzentraten, Plasma und Thrombozyten.

Akute Bauchaorta war scheinbar das Motto der vergangenen Woche. Erst hatte ich zwei in der regulären Arbeitszeit und dann schliesslich eine nachts im Dienst. Irgendwer scheint das witzig zu finden oder zumindest zu meinen, dass ich da noch etwas Übung brauche. Eine akute Aorta unterscheidet sich von einer elektiven dadurch, dass das sprichwörtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und man es jetzt da rausprokeln darf bevor es zu spät ist. Rupturiert ein Aortenaneurysma erreichen 50% der Patienten nicht lebend das Krankenhaus. Da die abdominelle Aorta retroperitoneal (also zwischen Bauchfell und hinterer Bauchwand) verläuft kann die Ruptur tamponieren, d.h. das die Aorta umgebende Gewebe verhindert das Ausbluten des Patienten. Der dort entstehende Druck macht aber deutliches Aua und teilt somit dem Besitzer des Aneurysmas schmerzvoll den Ernst der Lage mit. Von denen die das kapieren und es dann bis in die Klinik schaffen sterben leider auch nochmal etwa die Hälfte während des Eingriffs oder in der oft nicht komplikationsfreien Zeit danach. Man kann also sagen die Voraussetzungen für diese OP sind also nicht wirklich optimal. Einer der drei Kandidaten der vergangenen Woche kam wach und sprechend bis in den OP und ist dann tatsächlich gerade als wir einleiten wollten vollrupturiert, Druck von 90 auf 30 runter, Augen verdreht… eigentlich gutes Timing, hätte er ja auch irgendwann während der 120km Fahrt im Rettungswagen machen können. Da ging es dann etwas schneller, Tubus, Adrenalin, Bauch auf, Blut spritzt bis an die Decke (kein Scherz!), Daumen drauf, Druck kommt wieder und ich etwas angeschwitzt. Dankenswerterweise ist dies eine der OPs bei denen man wäscht und steril abdeckt und man erst einleitet wenn der Chirurg mit dem Messer in der Hand am Patienten steht. Hier noch 20 Minuten auf den Operateur warten wäre sicherlich nicht zielführend gewesen. Der Grund dafür ist allerdings, dass wegen des anästhesiebedingt nachlassenden Muskeltonus eine gedeckte Ruptur zu einer offenen werden kann. In diesem speziellen Fall hat es jetzt gereicht mit der Ketanestspritze bis auf zehn Zentimeter an den Patienten ranzukommen. Wie gesagt, gutes Timing.

Insgesamt habe ich in dieser Woche einen Level 1 ® gekillt, 42 Erythrozytenkonzentrate, 24 FFP und 4 Thrombozytenkonzentrate verballert und habe dafür drei Patienten die zwar noch auf Intensiv liegen, aber immerhin Puls haben, atmen und sprechen. Die Rechnung ist also aufgegangen und ich habe tatsächlich etwas mehr Übung…

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Responses

  1. Wie kann man einen Level1 killen?

    • Endgegner umbringen.

      • häh?

      • Naja, am Ende des (Spiel)Levels ist ja der Endgegner. Der muss sterben, wenn man den Level durchmachen will.

    • eigentlich einfach: anschliessen, einschalten, Gerät macht kurz „pffft“ und dann ist Schluss… nächster bitte…

  2. Diese Frage ging mir auch gerade durch den Kopf 😉

  3. Das ist aber blöd, denn normalerweise nimmt man den Level1 ja nur, wenn man ihn SO RICHTIG DOLL JETZT GERADE BRAUCHT, oder?!? Stehen da bei euch 5 von auf dem Flur rum?

    • Nein, nur einer pro OP-Trakt… aber direkt daneben stand noch ein Ranger mit high-flow und einem lustigen Weihnachtsbaum aus Druckmanschetten mit Druckluftanschluss, das Ding sieht aus als wäre es 100 Jahre alt, funktioniert aber einwandfrei.

      • Na dann ein Hoch auf die Geräte“Rentner“. 😉 Und was die Häufung angeht… Murphy’s Law schläft nie. Gut gemacht!

  4. […] rupturiertes baa.………………………………….ist doof. siehe auch hier […]


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