Verfasst von: Patrick | 2010/09/21

mittleres Management

Seit ich mein Dasein in OP-Abteilungen friste bemitleide ich die armen Schweine die diese Katastrophe von Tagesgeschäft organisieren dürfen. OP-Manager heisst das meistens und beinhaltet nichts anderes als dass man sich permanent mit allen Beteiligten herumärgern darf. Von Anfang an habe ich gesagt, dass das von allen Jobs der letzte wäre den ich machen wollte. Magengeschwür, Herzinfarkt und Haarausfall sind da vorprogrammiert, alle hassen einen und man ist nie zufrieden mit dem eigenen Tun.

Heute war es soweit, ich „durfte“ hineinschnuppern in die wunderbare Welt des logistischen Selbstmordes. OK, es hielt sich in Grenzen, weil das was ich da machen musste nur einen Teil der eigentlichen OP-Management-Routine umfasst, aber es hat gereicht um alle meine Vorurteile bestätigt zu sehen. „Programmverantwortlicher Arzt“ ist der unheilbringende Titel und dahinter stand heute auf dem OP-Plan blöderweise mein Name. Das bedeutet, dass man die eigenen Kollegen einteilt, die Studenten auf die Säle verteilt, zusammen mit der Chefschwester nachgemeldete akute (oder weniger akute) OPs organisiert, bestimmt wer wann die Prämedikationsambulanz besetzt und der Ansprechpartner für alle Probleme ist, die auch nur ansatzweise mit der Anästhesie zu tun haben. Blöd jetzt, wenn das Motto so mancher Operateure „die Anästhesie ist Schuld“ ist. Noch blöder ist natürlich wenn sie Recht haben, weil mein Kollege K. das mit dem teaching etwas zu ernst nimmt und, obwohl unsere junge Kollegin L. schon vor Monaten bei uns angefangen hat, nochmal bei Huhn und Henne anfängt und die Einleitung dann zwei Stunden (aaaaaahhhh) dauert. Ratet mal wer angemeckert wird… Gefühlt bin ich heute 2000mal angepiepst worden und habe zusammen gerechnet bestimmt drei bis vier Stunden nur telefoniert. Und weils so schön war darf ich das morgen wieder machen… Gerechtigkeit sucks! Warum zum Geier muss da jeder mal dran sein? Also wirklich…r

In diesem Sinne: Willkommen im selbstgewählten Beruf…!

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Responses

  1. Ich möchte mich von jeglichen Vorurteilen abgrenzen – aber 2 Stunden ist echt ein bißchen hart!^^

  2. Es gibt sicher keinen Job, mit dem man sich garantiert innerhalb kürzester Zeit nicht nur bei den eigenen Kollegen, sondern auch bei jeder operativen Fachrichtung maximal unbeliebt macht 😀

    • Ich nehme an, du meintest „keinen anderen Job“.
      Kleines Beispiel dazu wie anders manche Dinge doch sein können: Gestern musste durfte ich erstmals an der Planungsbesprechung der Chirurgen/Urologen teilnehmen. In dieser Besprechung geht man die OPs der gesamten nächsten Woche durch. Nachdem der Montag klar war habe ich mich todesmutig zu Wort gemeldet und gesagt, dass wir beim aktuellen Stand die Säle abdecken könnten, sollte aber was grösseres im Akutsaal anlanden, müssten wir einen kompletten Saal streichen. Ich war auf alles gefasst, aber nicht auf die nun folgende Reaktion des Chefarztes Chirurgie, der völl ruhig meinte:“Die Situation werden wir wohl in Zukunft öfter haben, da müssen wir uns dran gewöhnen.“

  3. Puh. Das schaffst Du aber auch. Danach bist Du bestens ausgebildet, um nebenbei im Callcenter zu dienen, oder?

  4. „Augen auf bei der Berufswahl !“

    🙂


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