Verfasst von: Patrick | 2010/11/05

teaching lessons

EPA-Traktor auf Basis eines Volvo Duett

EPA-Traktor auf Basis eines Volvo Duett (Quelle: wikipedia)

Sophie hat in ihrem „Zwischen Himmel und Erde“ Blog witzigerweise etwas geschrieben was bei uns neulich im Dienst auch aufkam. In Schweden gibt es eine Spezialität im Strassenverkehr namens EPA-Traktor. Das ist mehr oder weniger ein nach bestimmten Vorgaben kastriertes Auto, das als landwirtschaftliche Maschine eingestuft wird und nicht schneller als 30 km/h fahren darf. Das hat man sich in den 30er Jahren ausgedacht als sich irgendwie niemand einen Traktor leisten konnte, egal… da kein landwirtschaftlich orientierter Mensch heutzutage Verwendung für sowas hat hat sich die Jugend dieser Karren angenommen, weil man die Dinger schon mit 16 fahren fahren darf.

In besagtem Dienst also kam eine junge Dame, 15 Jahre alt, sturzbesoffen als Trauma-Alarm mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme, nachdem sie sich mit soeinem EPA-Dings in die Natur verabschiedet hatte. Irgendwas war dem Ding scheinbar kaputt, weil er nämlich nicht 30 km/h drauf hatte, sondern 70 … sehr merkwürdig, fanden die Polizisten auch komisch. Auf jeden Fall hatte die Gute ausser ein paar Kratzern garnichts, aber das weiss man vorher schliesslich nicht und damit hatte sie einen kompletten ATLS-Durchgang gewonnen. Und das schliesst mehr oder weniger gefesselt nackig machen vor knapp zwanzig Menschen und einmal Finger in den Po ein. Ich kann mir gut vorstellen, dass das so eine richtig beschissene Lebenserfahrung ist. Die Frage die dann im Team aufkam war, reicht das um Kindern zu zeigen wohin der Mist führt? Ist das vielleicht effektiver als in langen Gesprächen an die Vernunft zu appellieren? Ich hoffe schwer, dass meine Töchter mich mit sowas verschonen…

Advertisements

Responses

  1. Also wenne s wirken sollte,dann würd eich vorschlagen dies bei allen demnächst so zu machen,wenn sie mit ihren Karren abgeflogen oder wegen Alk auf die schnauze geflogen sind.

  2. Mein Lehrer hat mir mal erzählt dass, in dem Krankenhaus in dem er arbeitete, es eine spezielle Vorgehensweise bei Jugendlichen gab die Sturzbesoffen ins KH kamen…

    Erstmal kamen sowiso alle grundsätzlich auf die Intensiv die zuviel gebecht haben, logisch.
    Dann haben sie einen mega Zugang bekommen, eine Windel und natürlich eine Magenablaufsonde aber eine mit nem schön dicken Charriere.

    Da sie eh auf der Intensiv waren konnten die sich nicht einfach ausm Staub machen, so wie man es von Normalstation kennt und damit der hauseigene Psychologe auch was zu tun hatte musste jeder einmal zu nem 1 Stündigen Gespräch mit diesem.

    Ich denk da ist auch ein riesen Abschreckungsmoment dabei, nicht wirklich nett aber bestimmt sehr nützlich…

    • Ich will nicht, dass hier Missverständnisse entstehen. Die von mir oben beschriebene Vorgehensweise ist unser Standard bei allen Traumapatienten. Das ist NICHT als Erziehungsmassnahme für Betrunkene angelegt. Was ich meinte war, dass eine Lehre fürs Leben ein eventueller Nebeneffekt sein könnte. Absichtlich so eine Riesennummer mit ITS und was hier sonstnoch aufgefahren wurde abzuziehen, ohne eine Indikation dafür zu haben, halte ich für mehr als fragwürdig… von den Kosten und der Ressourcenverschwendung ganz zu schweigen.

      • Patienten mit mehr als 4 Promille kommen standardmäßig auf die Intensivstation und das alles war auch deren Standard, bei normalen Jugendsünden genauso wie bei immer wiederkehrenden Alokoholikern, mit dem einzigen Unterschied dass es Ärzte gab die eben gerne mal n Charriere größer in der Ablaufsonde gewählt haben und die zusätzliche Windel.

        Ich find das nur auch eine sehr tolle Anspielung und medizinische Indikationen gibt es bei Alkohol Abusus für das alles sowiso.
        Ausser für den Venösen Zugang, der kommt aber sowiso bei den meisten Intensivpatienten schon rein.

  3. Am besten wäre es in der Tat, wenn solche Lektionen gar nicht erst nötig wären. Klar, daß es umso schlimmer wäre, wenn es die eigenen Blagen betreffen würde! 😮

    In einem Fall wie dem von Dir geschilderten würde ich darauf hoffen, daß Ihr die Erfahrung tatsächlich eine Lehre war. Aber auch da gibt es wahrscheinlich Hartgesottene, bei denen nichts zu Einsicht führt. Wer auf lange Gespräche eventuell einsichtig reagieren würde (also nur so ein „Halbwilder“ ist), der hätte durch so eine Erfahrung wahrscheinlich schon einen Aufwachtritt in den Allerwertesten bekommen. So wie Du von der Persönlichkeit her rüberkommst erziehst Du Deine Kinder bestimmt nicht schlecht (=ahnungslos), also werden sie auch trotz etwaiger Teenagerzicken oder Identitätskrisen/Partyphasen bestimmt immer weit genug auf der Vernunftseite bleiben. 😉

  4. Die Kommentare bieten ein weiteres Beispiel dafür, dass viele Ärzte bezüglich ihres Handelns ein gestörtes Verhältnis zu den Menschenrechten und zur Würde der Person zeigen. Schön, dass dies wenigstens dem Blogger sofort aufgefallen ist.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: