Verfasst von: Patrick | 2011/03/16

Deep shit

Ich habe mich eine Weile nicht gemeldet, mir war nicht danach… Mein Start in die Welt als Facharzt hat sich etwas anders gestaltet als ich mir das gewünscht hätte. Innerhalb von vier Wochen habe ich zwei Patienten im Saal „verloren“. Manch einer wird jetzt sagen „passiert halt“, „muss man mit leben“ und da ist natürlich was dran. Einerseits ist das ein Abbild des Patientenkollektivs mit dem man zu tun hat und  zeigtdass die Zeiten in denen man nur die einfacheren Sachen gemacht hat definitiv vorbei sind. Andererseits ist das Stress… und zwar so richtig… an den abgebrühten Vollprofis prallt sowas wahrscheinlich ab, aber soweit bin ich nicht und wahrscheinlich (hoffentlich?) werde ich nie dahin kommen. Bei beiden Patienten kam es trotz ihres extrem kritischen Zustandes überraschend und auch wenn wir alles getan haben was wir konnten und niemand mir oder jemand anderem einen Vorwurf macht, bleiben dennoch kleine Zweifel bestehen, die eine ganze Weile an mir genagt haben. Es ist nichtmal so, dass ich bestimmte Dinge nennen könnte die eventuell nicht gut oder gar falsch gelaufen sind, aber es sind diese „was wäre gewesen wenn…“ Überlegungen die ziemlich penetrant sein können. Ich habe bestimmt schon über 200 Reanimationen miterlebt, sowohl prä- als auch intrahospital, aber diese beiden Situationen waren mit nichts zu vergleichen. Naja, es ist einiges an Zeit vergangen nun  und eventuell hat sich ja jemand gefragt wo ich eigentlich stecke…

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Responses

  1. Hej Patrick,
    schön daß Du wieder da bist. Ich lese Deinen blog immer gerne und kann ein bißchen nachvollziehen, wie es Dir ergangen ist (bin Internistin und habe die Anaesthesisten immer bewundert). Abgebrüht werden kann kein Ziel sein, da geb ich Dir völlig recht.
    Hälsningar från Essen/Tyskland
    Renate

  2. Moin !

    schön von Dir zu lesen, tut mir leid das das so ein Mist ist. Wenigstens brauch ich vorerst nicht zu befürchten, das es Dir geht wie josefine…

    Gruß

    Hightower

  3. Hejhej Patrick

    Schön, dass Du wieder schreibst. Freu mich, wenn ich Dich wieder regelmässig lesen kann 🙂

  4. ICH habe mich gefragt, wo du steckst!!! und wenn du abgebrühter vollprofi wärst, fänd ich dich doof!!! bleib wie du bist – so bist du richtig! immer – Josephine 🙂

  5. Wenn einen bestimmte Dinge nicht mehr berühren können, stimmt irgendetwas ganz und gar nicht… schön, dass du wieder da bist 🙂 .

  6. Aber das hieße dann auch, dass Du jetzt Facharzt bist – und das wäre ja ein Grund zum Gratulieren…
    Viele Grüße von einer täglichen „Vorbeischauerin“

  7. Hey, schön dass Du wieder schreibst. Hatte schon befürchtet, Du gibst den Blog auf.
    Kann deine Fragen & den Frust gut nachvollziehen, wenn bei uns einer auf dem Tisch bleibt, habe ich mich auch schon oft gefragt, ob man irgendetwas hätte anders machen müssen/können… Das kann einen ganz schön belasten.
    Aber menschlich ist das Hinterfragen doch & ich denke auch das gehört zu gutem medizinischen Personal dazu.

    Kopf hoch & Glückwunsch zum Facharzt!

  8. Hmm.. zwei in vier Wochen.. ehrlich, ich kann es verstehen.

  9. Das nennt man dann wohl Reduplikation eines Ereignisses 😦 Aber schön, dass du wieder schreibst!

  10. Schön von dir zu lesen. Das Thema ist nicht so erfreulich, tut mir leid dass gerade 2 solcher Situationen kurz hintereinander passieren mussten. Ich hoffe sehr, es wird mit der Zeit einfacher damit fertig zu werden. LG Ava

  11. Das ist wirklich nicht schön. Und ich fände es auch bedenklich, wenn es einem gleichgültig wäre. Ich finde, allgemein wird das Risiko einer Narkose unterschätzt. Aber manchmal fände ich einfacher, man „wüsste“ weniger. Kürzlich wurde mein Sohn operiert… Was hältst du eigentlich von einer PDA (bzw. PDK) zwecks Schmerztherapie nach einer OP? OP sowieso unter Vollnarkose. Also ich hab meinem Sohn „ohne“ geraten. Ich bin da ein Schisser… im Spinalkanal rumbohren.. bei meinem Kind…oh..nöö…

  12. Lieber Patrick,
    ich glaube ein bisschen auch an das Schicksal. Irgenwann ist die Zeit zum Sterben da.
    Ich habe mal einen kleinen Film gesehen über eine Gruppe Menschen, die als Nomaden in Indien an einem großen Fluß leben. Sie ernten den Honig wilder Bienen, die ihre Waben ganz oben, frei an Ästen riesiger Bäume bauen. Die Menschen klettern hinauf und schneiden die Waben ab, umschwirrt von den wütenden Bienen. Da passiert es, dass jemand abstürzt. Diese Menschen glauben nun, der Mann stirbt nicht, weil er abstürzt, sondern er stürzt ab, weil seine Zeit zu Sterben da ist.

  13. Ach Mensch, das ist natürlich alles andere als schön. Es tröstet wahrscheinlich wenig, aber vielleicht helfen diese zwei unvergleichbaren Reas mit ihren „was wäre wenn“s dabei, in der Zukunft, bei vergleichbaren Ereignissen ein besseres Outcome zu bekommen? Irgendwann wird dieser holprige Start seinen Nutzen haben, da bin ich mir ganz sicher. Kopf hoch, das wird schon wieder (auch wenn Du noch einige Zeit lang daran zu knabbern hast)!

  14. Oh wie gemein, ich kann es verstehen, ich war Gott sei dank nur einmal in meiner Kinderkrankenschwester Zeit dabei als „akut“ ein Kind reanimiert werden musste und wir es nicht geschafft haben…
    Ich denke auch, abgebrüht wird man in diesen Dingen sicher niemals und das ist auch gut so!

    Kopf hoch!

  15. Trotz allem: ich freue mich, wieder von Ihnen hier zu lesen!


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