Verfasst von: Patrick | 2012/07/19

Außer Haus

Paul hat mich aus seiner Blogroll gekickt, schöne Scheisse! Kann ich ihm aber nicht wirklich übel nehmen, schliesslich habe ich seit Ewigkeiten nichts mehr geschrieben.

Ich habe viel zu tun, aufregender als das ist es nicht. Wir renovieren unser Haus und ich bin in der Klinik ziemlich eingespannt.

Was gibt es Neues? Seit Anfang des Jahres hat sich mein Arbeitsalltag etwas verändert. Bisher war ich, wie der geneigte Leser (also die Wenigen die sich noch hierher verirren) sicherlich weiss, ausschliesslich im OP tätig. Neuerdings darf ich auch wieder draussen spielen. Ein grosser Wunsch des ehemaligen Rettungssanitäters Patrick ist in Erfüllung gegangen und ich bin nun endlich Notarzt auf einem Rettungshubschrauber. Es mag albern und kindisch sein, aber irgendwo tief drin wollte ich immer Teil einer Hubschrauber-Crew sein. Es ist nicht der, den Ihr im Filmchen etwas weiter unten sehen könnt, das ist eine Maschine der Seerettung, die machen das, was in Deutschland von der Marine mit ihren SAR-Helikoptern übernommen wird. Nein, es ist ein richtiger, klassischer Rettungshubschrauber. Wieder im Rettungsdienst zu arbeiten bedeutet mir unglaublich viel, ich hätte nicht gedacht, dass mir dieser Stress so fehlen würde.  Wie früher schon mal geschrieben habe ich viele Jahre im Rettungsdienst gearbeitet. Ich war immer gern Teil eines kleinen Teams. Es ist etwas besonderes wenn sich alle aufeinander verlassen können, wenn man den nächsten Handgriff nicht besprechen muss, weill alle genau wissen was als nächstes passiert, weil man genau weiss was der andere denkt. Man arbeitet umwoben von einer Form von Teamgeist die meiner Meinung nach nur schwer zu toppen ist.

Was mach ich da nun? Jeden zweiten Monat arbeite ich eine komplette Woche auf dem Hubschrauber. Da in Schweden alles ein bisschen weiter weg ist, macht Intensivtransport etwa die Hälfte aller Einsätze aus. Oft handelt es sich hierbei um Patienten die in einem Gesundheitszentrum (Vårdcentral) diagnostiziert und eventuell erstversorgt wurden und dann zur Weiterversorgung in eine Klinik geflogen werden, alternativ von einem kleineren Krankenhaus in ein grösseres. Die andere Hälfte besteht aus klassischen Primäreinsätzen, also alles von kindlichem Krampfanfall über Herzinfarkt bis Polytrauma.

Im Unterschied zu den meisten deutschen Rettungshubschraubern fliegt unserer rund um die Uhr und hat daher zwei Piloten die im Dunkeln mit Nachtsichtgeräten arbeiten. Es ist schon spannend wenn man mitten in der Nacht auf einer Waldlichtung landet die, eigentlich für die Holzverladung konzipiert ist, um dort einen Herzinfarkt aufzunehmen der mit dem Motorschlitten anderthalb Stunden dorthin transportiert wurde.

Der Job auf dem Hubschrauber hat meinen Arbeitsalltag deutlich aufgehellt, die Abwechslung kam genau richtig und darüberhinaus wird er tierisch gut bezahlt… kleiner Glücksgriff also…

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Responses

  1. darüber gibt es doch bestimmt viele spannende Storys, ich freu mich schon!

  2. Schön das du mal wieder was schreibst

  3. Das ist ja… GEIL!
    unser ITH fliegt auch rund um die uhr. hat so ein nachtsichtgerät.
    was soll ich sagen… einfach nur der hammer! welcher maschinentyp ist es?

  4. Jaaa er lebt noch !!

    Schön das es doch mal wieder etwas neues gibt. Im WInter dann wieder von dem bisschen schnee, das ihr nicht mehr unterbringen könnt ? (bin Neidisch auf Schneehöhe und schneeschieber vom Nachbarn 😉 )

  5. Da issser wieder…. Du lebst also noch! Schön wieder von Dir zu lesen…

    Und Deine Tage lesen sich, trotz grösserem Arbeitsaufkommen, spannend und toll!

    Viel Spass weiterhin, ein wenig neidisch bin ich ja schon! (Auch wenn ich es mir mehrmals überlegen müsste in so ein ding bei Nacht zu steigen!)

    LG Missy

  6. Oh, kaum habe ich „Hellimhals“ nach inaktiv verschoben, schon tut sich wieder was und man bekommt das nur mit, weil man sich in einer Blogroll verklickt.
    Glückwunsch zum Traumjob! Hoffentlich gibt es da ein paar spannende blogbare Geschichten.

  7. Ha! Beim Schreiben erwischt!

    Praktisch, wenn man Dich im Reader hat 🙂

  8. Mei, ich hab schon eine Personenmeldung bei Interpol nach Dir raus gegeben!!! Wurde ja auch Zeit, dass mein Lieblingsbetäuber wieder da ist 🙂
    Welcome back!!!!

  9. Ich. ähhh was soll ich sagen.. 😉 das nicht böse gemein. aber wenn du wieder schreibst, nehm ich dich natürlich auch wieder auf.. und natürlich freue ich mich,dass du wieder schreibst.

    • oh Paule, was hast Du doch für ein großes Herz 😀
      aber: auch ich freue mich, wieder mal aus dem „hohen Norden“ zu lesen 😉
      mach‘ Dir aber trotzdem keinen Streß: ES IST DEIN BLOG!!!

  10. Ah, schön von Dir zu lesen, Herr Kollege! Hubschrauber hört sich nach vielen neuen Geschichten an… wenn ich groß bin, möchte ich übrigens auch Hubschraubernotarzt werden. Nur fürs Protokoll.

    Und, Paul: gut gemacht! Dadurch is der HellimHals doch erst wieder aufgewacht 😉

  11. Bin über Josephine hier her gekommen.

    Mit welchem Heli bist Du denn unterwegs? Ausser dem SAR-Heli kenne ich noch die Bo 105 oder die BK 117. Ist allerdings schon ewig her, dass ich damit zu tun hatte (hab mal auf einem Verkehrslandeplatz gearbeitet).

    Gruss Rose


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